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Foto von der Segensfeier für die Frauen im Milieu im November 2018 | © SiTa



Auch die Synode der römisch-katholischen Kirche Baselland hat einer Verlängerung der SiTa – Seelsorge im Tabubereich zugestimmt. Die Projektstelle kann weitere drei Jahre ihre Arbeit machen.

Wer im September die diversen Printmedien im Raum Basel durchgeblättert hat, konnte fast nicht anders, als über das Thema Prostitution/Rotlichtmilieu/Sexarbeit zu stolpern. Besonders zu reden gab die Demonstration am 26. September 2018. Nach Sichtung des grössten Teils der Beiträge empfiehlt die SiTa für einen differenzierten Überblick den Beitrag der Tageswoche – Sexgewerbe-Demo: Dümmer hätte es nicht laufen können.

Angestossen durch die Frauenzentrale Zürich gibt es eine Kampagne, die den Kauf von Sex durch Freier verbieten will und zum Ziel hat, Prostitution in der Schweiz zu verbieten. Die SiTa-Seelsorge betrachtet die Kampagne mit Skepsis. Das Thema Sexarbeit ist an sich schon komplex. Gleichzeitig greifen bei kaum einer anderen Diskussion so viele verschiedene Ebenen von persönlicher Betroffenheit, moralischen Vorstellungen und rechtlichen Aspekten ineinander, wie beim Thema Sexarbeit/Prostitution. Es ist fragwürdig, ob etwas derart Komplexes mit einem einfachen Verbot geregelt werden kann. Auf der Unterseite Thema Sexarbeit/Prostitution dieser Homepage sind verschiedene Artikel und Beiträge aus unterschiedlichen Medien zum Thema Prostitution verlinkt. Die Sammlung versteht sich als Hilfe zur Meinungsbildung.

Decke in einem Zimmer | © SiTa/A. Burgmer

Aufsuchende Arbeit. Eine Frau fühlt sich nicht gut. Als ein Kunde kommt, verschwindet sie dennoch, um sich zu präsentieren.

Regelmässig kommt S. und sucht Mandalas aus. Das freut mich, denn ich weiss: Sie wird sich etwas Zeit nehmen für sich. | © SiTa/A. Burgmer
Regelmässig kommt S. und sucht Mandalas aus. Das freut mich, denn ich weiss: Sie wird sich etwas Zeit nehmen für sich. | © SiTa/A. Burgmer

Eine der Frauen sagt zum Angebot, Mandalas auszumalen: «Das ist etwas für Kinder». Andere Frauen nehmen das Angebot gerne an und versinken teilweise für bis zu dreissig Minuten in den Vorlagen und Farben. Dreissig Minuten, in denen sie den Kopf zur Ruhe bringen und sich um sich kümmern.

Ihre letzten Sätze sind die wichtigsten! Ansonsten: Frauen, die so transparent mit ihrer Arbeit als Prostituierte umgehen, sind – so die Erfahrung aus der SiTa-Seelsorge – eher die Ausnahme. Die Themen, die sie anspricht, begegnen mir regelmässig.   SRF True talk mit einer Prostituierten

Der andere Kreuzweg Roms – Gedenken der Frauen, die Opfer von Prostitution und Menschenhandel sind

Besuch der Nachtclubs. Eine Frau meint: «Es ist gut, dass es solche Angebote gibt. Noch besser ist es, wenn wir sie nicht brauchen!»

Eine immer wiederkehrende Frage von GesprächspartnerInnen ausserhalb des Milieus: «Ist Glaube denn überhaupt ein Thema für die Frauen?»

Im Gespräch sagt eine Frau: «Weisst du, nur weil ich mich entschieden habe, diese Arbeit zu machen, heisst das nicht, dass ich sie gerne mache».

«Zwischen Tür und Angel, in der Küche oder in einem Zimmer. Für fünf Minuten oder für eine Stunde. Es ist nicht vorhersehbar, was hinter einer Tür wartet. Das ist Herausforderung und Geschenk zugleich – wie jede einzelne Begegnung mit den Menschen im Sexgewerbe.» Anne Burgmer, SiTa-Seelsorgerin

«Ich wünsche eine Kirche, die rausgeht zu den Menschen. Unsere Aufgabe ist es, auch zu denjenigen zu gehen, die keine Lobby haben. Deshalb gibt es die Seelsorge im Tabubereich.» Felix Gmür, Bischof des Bistums Basel

«SiTa»-Seelsorge heisst: Da sein. Ohne Erwartung oder fertige Meinung. Offen sein für den Menschen und zuhören.